Dubiose PraktikenPalantir drückt sich vor Steuern

Seinen Umsatz konnte Palantir im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppeln. Nicht zuletzt ist das lukrativen öffentlichen Verträgen zu verdanken. Zugleich verlagert der Konzern offenbar seine Gewinne in die USA, um in Europa möglichst wenig Steuern zu zahlen, wie eine neue Analyse zeigt.

  • Rika Baack
Alex Karp, Palantir-CEO, vor einem rot leuchtendem Hintergrund.
Hinter Palantir-CEO Alexander Karp fließen Daten- und Geldströme. Letztere offenbar an Europa vorbei. – Alex Karp: World Economic Forum, CC-BY-NC-SA 4.0; Palantir-Screenshot: Salvador Rios / Unsplash; Euro-Scheine: Robert Anasch / Unsplash; Datenstrom: A. C. / Unsplash

Alex Karp, der Geschäftsführer von Palantir, hat Grund zur Begeisterung: „Dieses Quartal war nicht von dieser Welt.“ Am gestrigen Dienstag sorgte das umstrittene Datenanalyse-Unternehmen mit seinem immensen Umsatz für Schlagzeilen. Um 93 Prozent stiegen die Erlöse im Jahresvergleich auf 1,68 Milliarden Euro.

Weltweit, auch in Europa, schließt Palantir Verträge mit Behörden, Geheimdiensten, Militärs oder Rüstungsunternehmen. Jedoch gestaltete der US-amerikanische Konzern seine Unternehmensstrukturen offenbar so aus, dass er sowohl in den USA als auch in Europa ausgesprochen wenig Steuern zahlt. Das legt ein neuer Forschungsbericht dar. Verfasst hat diesen das britische Centre for International Corporate Tax Accountability and Research, das spezialisiert ist auf Praktiken zur Steuervermeidung von multinationalen Konzernen.

Steuerausfälle taktisch herbeigeführt

Laut des Forschungsberichts gab Palantir weit geringere Gewinnmargen in Europa als den USA an. Die Forschenden verweisen auf die „Gewinnverlagerung“: Einnahmen, die Palantir im Ausland generiert, verschiebe es zurück in die USA, wo das Unternehmen möglicherweise noch ein Jahrzehnt lang keine Bundeseinkommenssteuer zahlen muss.

Dass die USA für Palantir eine Steueroase darstellt, sei teils US-Präsident Donald Trumps „One Big Beautiful Bill Act“ zu verdanken, teils der Taktik, Mitarbeitende mit Aktienoptionen statt mit Löhnen zu vergüten. Dabei handelt es sich um eine Gesetzeslücke, die enorme Steuerabzüge ermöglicht. Erst im Januar gaben europäische Staats- und Regierungschefs außerdem Trumps Forderung nach, US-amerikanische multinationale Konzerne von einer globalen Mindeststeuer auszunehmen. Das kommt auch Palantir zugute.

Mit großem Abstand ist das Vereinigte Königreich am meisten von Palantirs Steuersenkungsstrategien betroffen. Doch schon auf dem zweiten Platz der untersuchten Länder landet Deutschland. Hier ist dem Bericht zufolge mit einem Steuerausfall von 1,6 Millionen Euro zu rechnen. Im untersuchten Jahr 2024 stammten 65 Prozent des Gesamtumsatzes in Deutschland aus Dienstleistungsgebühren der US-Muttergesellschaft. Das könnte darauf hindeuten, dass der Großteil der Umsätze aus deutschen Verträgen in den USA verbucht wird, wodurch die in Deutschland ausgewiesenen Umsätze und Gewinne erheblich unterschätzt würden.

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Große Vorbilder bei der Steuervermeidung

Palantir ist bei weitem nicht das erste US-amerikanische Technologie-Unternehmen, das wegen Steuervermeidung unter die Lupe genommen werden. Apple, Amazon und Microsoft standen dafür, wie sie Umsätze in Europa verbuchen, teils schon vor Gericht. Die Taktiken, die die Forschenden Palantir zuschreiben, sind allerdings meist nicht illegal.

Im Bericht geht es um geringere Beträge als bei Vorfällen anderer US-Konzerne. Auch wenn es zu den 50 größten börsennotierten Unternehmen weltweit zählt, ist Palantir deutlich kleiner als US-amerikanische Big-Tech-Unternehmen wie Amazon, Apple, Meta oder die Google-Mutter Alphabet. Doch seine Einnahmen steigen rasant, und vor allem wächst sein globaler Einfluss, besonders in kritischen Bereichen wie dem Militär und den Geheimdiensten.

Wachsam an der falschen Stelle?

Die Forschenden hinter dem Bericht stellen klare Forderungen: Bestehende Regierungsverträge mit Palantir sollten hinterfragt werden, zukünftige vermieden. Ein klarer Hinweis für die deutschen Bundesländer, deren Landesregierungen bereits millionenschwere Verträge mit Palantir geschlossen haben: Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Dort haben Regierungen offenbar Aufträge für den Betrieb öffentlicher Dienstleistungen an einen Konzern vergeben, der ihnen finanzielle Mittel für staatliche Aufgaben vorenthält: Während deutsche Polizeibehörden mit Palantirs Software Überwachungsstrukturen aufbauen, konzentriert sich Palantir wohl darauf, Steuerpflichten zu reduzieren.

Über die Autor:innen

  • Rika Baack

    Von Juli bis September 2026 ist Rika Praktikantin bei netzpolitik.org. Sie schließt gerade ihr Studium der Publizistik und Politik in Berlin ab und interessiert sich besonders für Plattformregulierung, digitale Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement für ein besseres Internet.


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6 Kommentare zu „Palantir drückt sich vor Steuern“


  1. Thank you for your attention to this matter

    ,

    FYI

    » Papier ist ja sowas von geduldig…

    https://www.lobbyregister.bundestag.de/media/a6/ef/709229/Jahresabschluss-2024-Palantir-Technologies-GmbH.pdf

    Tag der Erstellung: 03.02.2026

    Zu den Zielen der Gesellschaft gehören:

    - Die Stärke und den » guten Ruf [sic] :) <> jaja, ist sind immer diese bösen Fake-News…

    Ungeachtet dessen sind den Geschäftsführern der Gesellschaft zum Zeitpunkt der Unterzeichnung dieses Lageberichts keine Tatsachen oder Umstände bekannt, die über die oben genannten potenziellen Risikofaktoren hinausgehen und die darauf hindeuten würden, dass die Fortführung der Geschäftstätigkeit der Gesellschaft in den mindestens zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag aufgrund einer beabsichtigten oder erzwungenen Einstellung oder einer wesentlichen Einschränkung ihrer Aktivitäten gefährdet ist
    oder dass wir unsere Schätzungen oder Einschätzungen aktualisieren müssen.

    » Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.


  2. Bolzkopf

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    Hunde machen Haufen.
    Wölfe reißen Schafe,
    Läuse saugen Blut.

    Und so hat jedes Ding seine untrennbaren Eigenschaften.


  3. Anonymous

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    Ohne jetzt Palantir in Schutz nehmen zu wollen:
    Das ist alles andere als neu und Standard in den weltweiten Konzern-Steuerabteilungen. Staatsaufträge holen und dann in irgendwelchen Steuervermeidungskonstruktionen die Gewinne zu lagern, gehört auch in Europa zum Geschäft und war bisher nie ein Grund, nicht mehr (beliebiger Konzern) von Staatsaufträgen auszuschließen.

    Palantir gehört wegen ganz anderen Dingen aus dem Geschäft mit dem Staat zu werfen als deren zumeist auch noch legale „Steuergestaltung“.


  4. Karl Marx

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    Da bin ich neidisch, als Normalbürger kann ich mich nicht um Steuern drücken und die werden auch immer mehr.

    Also wir zahlen mehr Steuern damit Konzerne weniger zahlen müssen.


  5. Christoph Schmees pc-fluesterer.info

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    Laut Palantirs eigener Veröffentlichung stieg der UMSATZ (Revenue) im Jahresvergleich um 93% – nicht der Gewinn. Oder habe ich da etwas missverstanden?


    1. Rika Baack

      ,

      Danke, ist korrigiert!

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